Helsinki ahoy

Nachtrag und Bilder


An Deck herrschte starker Wind, doch der Schlafsack leistete gute Dienste. Ich wachte auf, als ein Mitarbeiter der Schiffsbesatzung die Treppe zur elften Ebene aufschloss. So packte ich zusammen und ging nach unten frühstücken. In weiser Voraussicht, hatte ich mir Roggenbrote mit Lachs vorbereitet, denn an Bord ist alles (außer duty free) unverschämt teuer. Gegen 8:30 Uhr sah man die ersten finnischen Inseln; Helsinki ist nicht mehr weit. Fortsetzung folgt…


Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, studierte ich zunächst einmal die Karte, die am Hafen stand. Ich war überrascht, wie groß der Maßstab war – Helsinki scheint, für eine Hauptstadt, relativ klein zu sein. Doch das ist, wenn man schweres Gepäck hat, eigentlich eine gute Nachricht.

Ich schaute mir zunächst die Kirche an, die ich vom Schiff aus bereits gesehen hatte und lief dann am Hafen entlang. Dort traf ich die Finnen wieder, mit denen ich mich an Bord unterhalten hatte. Sie warteten auf eine Freundin, die in Helsinki wohnt und wollten gemeinsam zum Bahnhof laufen. So habe ich mich ihnen angeschlossen und erfuhr, an welchen Gebäuden wir vorbei liefen, sowie Infos zur Geschichte Finnlands. Ich brauchte Bargeld und hob welches ab – es war schon merkwürdig, plötzlich wieder Euros zu sehen. Am Bahnhof angekommen verabschiedete ich mich, leicht verärgert, dass ich im Schiff verpasst hatte mein Handy aufzuladen und somit kein Selfi machen konnte.

Danach suchte ich einen McDonalds auf, wo ich den Akku lud. Am Tisch nebenan saßen zwei Deutsche, die zu Ehren ihres Hochzeitstages nach Helsinki kamen. Wir unterhielten uns über die Beschleunigung der Gesellschaft und die Notwendigkeit durch Entschleunigungsmaßnahmen im Gleichgewicht zu bleiben. Sie haben eine 17-jährige Tochter, die Work ’n Travel machen will. Ich kann nur sagen: „go for it!“ 😉

Katy und Sven
Katy und Sven

Während sich mein Akku weiter füllte, sprach ich einen älteren Mann an, der einen Tisch weiter saß. Ich glaubte einen englischen Akzent gehört zu haben und fragte, ob er Engländer sei. Er war Schotte, aber nicht beleidigt über meine Verwechslung. Wir sprachen über die Unabhängigkeit Schottlands, den Brexit (er hat dafür gestimmt) und EU-Politik – eine hoch politische und spannende Unterhaltung. Er ist der Meinung, dass die EU kollabieren wird, weil zu viele unterschiedliche Nationen vereint würden. Seine beiden weiblichen Begleiterinnen unterbrachen irgendwann das tief schürfende Gespräch und auch ich ging weiter. Der Akku war kaum halb voll und so ging ich danach gleich noch in den Starbucks und lud mir die Offlinekarte von Helsinki.

Ich studierte die grünen Flecken der Satellitenansicht und steuerte auf einen zu. Unterwegs kam ich an einem Supermarkt vorbei und kaufte Roggenbrot und Krautsalat. Dann sah ich zwei junge Fahrradfahrer, die Ruck- und Schlafsäcke dabei hatten. Ich sprach sie an, ob sie wüssten, wo ich zelten könne. Der Campingplatz sei 12 km weit weg, was ich nun wirklich nicht laufen wollte. Aber sie empfahlen mir eine Insel, die größten Teils bewaldet war. So ging ich am Ufer entlang, füllte in einem Restaurant mein Wasser auf und aß auf einer Parkbank.

Bis zur Insel war es recht weit, da ich quasi einmal um Helsinki herum gelaufen bin. Das merkte ich, als ich erneut an der Schiffsanlegestelle vorbei kam. Auf der Insel angekommen suchte ich zunächst nach einem geeigneten Zeltplatz, was gar nicht so einfach war. Durch das enge Wegenetz waren die Waldflecken, die nicht einsehbar waren, recht klein. Erschwerend kam hinzu, dass die Insel fast ausschließlich aus Steinen bestand und die Wälder feucht und voller Fahne waren. Schließlich fand ich einen Platz, hinter einem Felsen, direkt am Waldrand, wo eine dicke Moosschicht den Felsen bedeckte. Doch wenn man den Hering in flachem Winkel einsticht, hält es schon.

Danach lief ich alle Wege ab, um mich mit meiner neuen Heimat vertraut zu machen. So kam ich an einer Freilichtbühne vorbei, die wohl momentan nicht in Betrieb ist. Dort sah ich einen Stromkasten, der nicht abgeschlossen war. Ich ging zum Zelt, holte meinen Akku und lud ihn dort auf. Ich sah auch mehrere Putzeimer – die werden mir noch für meine Handwäsche dienlich sein. Am Strand sind Duschen, Toiletten und Trinkwasserhähne – alles bei mir um die Ecke. Ich ging dann schlafen und ließ den Akku über Nacht am Strom.

 

1 Gedanke zu „Helsinki ahoy“

  1. Hey Chris… Wir sind zurück in der Heimat und somit auch im Alltag…. Wir hoffen das Wetter ist wieder auf deiner Seite 😎🌞 und du hast neue interessante Menschen getroffen… Waren noch sehr lange von der Begegnung mit dir beeindruckt und freuen uns ein Kleiner Teil deiner Geschichte und deines Weges zu sein… Wir wünschen Dir viel Kraft und vor allem Gesundheit um deinen Weg zu gehen… Liebe Grüße Sven und Katy

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