Soziologischer Hintergrund

Als Arbeitssuchender wird man ja sehr schnell stigmatisiert. Vorwiegend von jener Bevölkerungsgruppe, die das Attribut „Oberflächlichkeit“ für sich beansprucht. So soll am Berufsstand eines Menschen sein Status gemessen werden – sein Platz in der Hierarchie der Gesellschaft. Nennt mich vermessen, doch ich bin der Meinung, dass diese Sichtweise überaus kurzsichtig und eindimensional ist.

Lassen wir uns doch dazu mal auf ein Gedankenexperiment ein:

Wenn wir der Berufswahl voraussetzen, dass der Beweggrund für diese, vorausgesetzt, dass die geistigen Kapazitäten zur Realisierung gegeben sind, das Erreichen des Idealbildes der eigenen Person innerhalb der Gesellschaft ist, zeigt sich, dass die Persönlichkeit maßgeblich zu dem Ergebnis beiträgt.

Angenommen ein Kind, ohne Erfahrungen in Konfliktbewältigung, wird zu Schulzeiten gehänselt und entwickelt eine antisoziale Haltung zur Gesellschaft – wünscht sich, das erfahrene Unrecht umzukehren. Berufswunsch: Polizist. Ein ehrenwerter Beruf, bei dem man zu einem aufschaut. Da kann das kleine Ego schön zurückschlagen und anwachsen.

Sollte man diese Person für ihren gesellschaftlichen Rang respektieren? Ist der Beweggrund für die Wahl des Berufes egal?

Oder nehmen wir einen egozentrierten, aggressiven, vor Eitelkeit und Selbstüberschätzung strotzenden Erfolgstypen. Im Alltag ein Rüpel, in der Schule ein Schläger, doch stets mit ausreichender Hinterlist und Manipulationsvermögen, um ungeschoren davon zu kommen. Ziel ist Macht und Status, Berufswunsch: Manager. Leute kommandieren, Ego streicheln, Mammon anbeten.

„Oh, welch ein erfolgreicher Mann.“ , „Das ist ja ein toller Typ.“ … ich kotz!

Man will uns weiß machen, dass Macht und Status etwas Gutes ist. Aber ist das so? Ist Konkurrenz wichtig für den Markt? Müssen wir uns Vorteile erkämpfen? Ist die Niederlage des Anderen ein Sieg für uns?

Ältere Generationen haben dieses Bewusstsein im Regelfall tief verinnerlicht. Die Gründe dafür liegen in den Umständen der damaligen Zeit. Noch bis in die Neunziger war das Konzept des Wachstums das vorherrschende. Die Wirtschaft muss stetig wachsen, um Wohlstand zu erwirtschaften. Dass exponetielles Wachstum in einem endlichen System utopisch ist, will sich keiner der Akteure so richtig eingestehen. Diese Denkweise führte uns unter anderem in die Wirtschaftskrise von 2004. Irgendwann hat das Wachstum seine Obergrenze erreicht und wenn man versucht diese Grenze nach hinten zu verschieben, kollabiert das System – ein natürlicher Vorgang des Ausgleichs. Doch die Auswirkungen sind viel weitreichender. Aktuell kann man beobachten, wie die Verfechter dieses Irrglaubens versuchen, ihn künstlich am Leben zu halten – seine Lebensdauer zu verlängern. Mit TTIP erwartet uns ein Abkommen mit Wachstumserwartungen im Promille-Bereich, was sich in der Summe zwar nach viel anhört, aber absolut lächerlich ist, wenn man bedenkt, welche Folgeschäden dadurch entstehen.

Dennoch hält sich das Konzept der Leistungsgesellschaft, die von Politik gestützt (denn: Spenden, Gehaltslisten, Aufsichtsratsplätze, Beraterfunktionen in Kabinetten…) und Großunternehmern hemmungslos ausgenutzt wird. So erhalten Manager das zehntausendfache Entgelt eines Arbeiters dafür, dass sie Risikospekulationen in den Sand setzen und dann trotzdem Bonuszahlungen erhalten, die dann, am Fiskus vorbei, nach Panama fließen. Wo ist die Körperschaftssteuer, wo die Kapitalertragssteuer, wo die Erbschaftssteuer? Von wegen Firmen wandern dann ins Ausland ab – das Geld wird immer am Staat vorbeigelenkt, egal wie zuvorkommend die Politik den Unternehmen gegenüber ist. Gleichzeitig werden Arbeitnehmerrechte beschnitten, Kurzarbeit, Mindestlohn, Entlassungen, usw. Das Frontlinien-Fußvolk der Arbeiter muss immer mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit erledigen – natürlich ohne Zuschläge. Lange Befehlsketten, strenge Hierarchiestrukturen, massenhaft Kontrollorgane, Einschüchterungstaktiken, Abzocker-Tarifverträge, im Keim erstickte Mitbestimmungsrechte – das ist die traurige Realität der Konzerne.

Das kann nicht unsere Zukunft sein! Das ist ein überholtes, altmodisches Modell, das in der heutigen Zeit keinerlei Daseinsberechtigung mehr hat – ein Modell, das es zu ersetzen gilt. Das ist die Aufgabe und die Verpflichtung eines jeden Menschen, der auch nur einen Funken an gesundem Menschenverstand und Humanität besitzt.

Wenn ich mit älteren Leuten darüber rede, sagt man mir: „Das ist überall so.“.

Aber ich glaube das nicht! Ich kann das nicht akzeptieren und werde beweisen, dass es nicht so ist. Integrität ist stärker als Gier!

Und deshalb ist meine Reise auch eine Suche nach alternativen Modellen…

1 Gedanke zu „Soziologischer Hintergrund“

  1. Ich finde, dass Deutschland endlich den Versuch mit dem bedingungslosen Grundeinkommen starten sollte.
    Es wäre allemal den Versuch wert, für mehr Menschlichkeit.
    Anstatt stets die freie Marktwirtschaft zu fördern, sollte endlich wieder der Mensch im Fokus der Politik stehen.
    Scheiß auf Wachstum!
    Human ist das niemals…

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