Strandtag

Gestern habe ich die Insel nicht verlassen. Ein richtig schöner Faulenzertag: in der Sonne liegen, schwimmen, in der Sonne liegen, schwimmen. Bei den 20 Sonnenstunden am Tag, kann man das lange wiederholen…

Abends hab ich Leute angesprochen, die unten am Wasser ein Lagerfeuer machten und habe mich dazu gesellt. So wurde ich in ein Stück schwedischer Kultur eingeführt: Nacktbaden – gefällt mir. Danach hat jeder auf ein Blatt geschrieben, was er vergessen will und auf die Rückseite, was er sich wünscht. Durch das Verbrennen soll das in Erfüllung gehen. Es war gar nicht so leicht etwas zu finden, dass ich vergessen möchte. Immerhin sind alle meine Erinnerungen ein Teil meines heutigen Ichs und machen das aus, was ich bin. Und da ich von Traumata weitestgehend verschont blieb, musste ich lange überlegen. Das Knistern des Blattes im Feuer und der weiße Rauch, der von ihm aufstieg, wird sicher mein Leben verändern. Oder?


Heute ging ich mal wieder auf Jobsuche. Dabei habe ich meine Zielgruppe auf Restaurants erweitert. Irgendwie scheinen alle schon voll besetzt zu sein. Die Saison hat wohl schon früher begonnen. Aber aufgeben passt nicht zu mir und somit geht die Suche weiter. Fortsetzung folgt…


Wie ich erfahren habe, sind gerade Ferien in Schweden. Deshalb haben aktuell viele Schüler und Studenten Ferienjobs. Man sagte mir, dass ich wohl im Herbst bessere Chancen hätte – bis dahin wäre ich sicher hoch verschuldet. Ich glaube es wäre das Beste, wenn ich bald weiter ziehe. Die Länder, die mich noch erwarten, können ja nicht noch teurer sein…

Morgen ist Midsummer, ein schwedischer Feiertag – den sollte ich noch miterleben. Am Samstag werde ich ein Fährschiff nach Helsinki nehmen – 16 Stunden Fahrt, 55 € ohne Kabine. Besser als Finnland über den Landweg zu erreichen – dazu muss man seeeehr weit nach Norden, wo die Bevölkerungsdichte stark abnimmt. Selbst in den Großstädten habe ich Schwierigkeiten mitgenommen zu werden – die Schweden hätten wohl Angst vor Fremden, heißt es. Klingt das nicht vertraut? Könnte von der AfD stammen…


Die Jobsuche habe ich abgebrochen und ein Fährticket nach Helsinki gebucht. Danach bin ich noch etwas durch die Straßen gelaufen und hab von weitem ein kuppelartiges Gebäude gesehen. Ich wollte wissen, was das ist und lief darauf zu. Die Entfernung täuschte, denn es war ein gutes Stück zu laufen. Dort angekommen, erfuhr ich, dass es eine Sportarena, der Ericsson Globe, ist. Da ich die ganze Strecke nicht nochmal zurück laufen wollte, nahm ich die Metro. Während der Fahrt, erkannte ich, dass ich klug entschieden hatte – das wäre wirklich weit gewesen. Wie so oft, in großen Städten, sieht auf der Karte alles viel näher aus.

Am Ankunftsbahnhof kaufte ich im Supermarkt mein Abendessen und ging zum Zelt um dort zu essen. Unten am Wasser sah ich eine Gruppe von Leuten, die in geselliger Runde saßen. Also ging ich hin, lud mich ein und wurde freundlich willkommen geheißen. Sie sind alle Landschaftsgärtner, arbeiten in der gleichen Firma und trafen sich hier nach Feierabend. Es war ein nettes Zusammentreffen, das den Abend angenehm ausklingen ließ.

Die Namen weden noch ergänzt...
von links: Ida, Björn, Agnes, Irie (Hund), Cajsa und Karl

1 Gedanke zu „Strandtag“

  1. Hallo Chris, anfangs habe ich deine Seite nur aus Neugier besucht weil Norbert mir von deinem Trip erzählte und nun schaue ich bald jeden Tag bei dir herein. Es ist sehr schön und packend geschrieben und es macht Spaß an deiner Reise teilzunehmen. Mach weiter so und lass dir Zeit dabei und wo du dich wohlfühlst, da verweile! Wenn du einen Transport suchst
    wo trampen nicht funktioniert schau mal auf seat61.com nach. Ein englischer Bahnangestellter hat dort so ziemlich alle Bahnverbindungen, Fährverbindungen etc.
    aufgelistet, incl. Preisen und Buchungsoptionen (weltweit)! Vieleicht machst du ja dann noch einen Abstecher über den Baikal? Weiterhin viel Glück, LG Burghard

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